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Statt des Spiegels ist der "Cyberspace" das Medium,
von dem aus die eigene Person und Identität als "Cyborg"
vor- und her-gestellt wird. Dabei sind zwei Spannungsfelder kennzeichnend
und grundlegend:
- Die Home/Page eröffnet den Raum für die Inszenierung
einer persönlichen Vielfalt, die simultan sowie in zeitlicher
Abfolge offen bleibt und statt einer definitiven eine potentielle,
i.e. virtuelle Identität von Körper, Gender und Selbst
herstellt: "Ich bin mehrere."
- Die Home/Page macht das Private öffentlich: "Privat"
auf die eigene Person bezogen, ist die Selbstdarstellung in
der <digitalen Matrix> zugleich "public", offen
zugänglich und angewiesen auf den interaktiven Zugriff
durch ein (anonymes) Publikum: "Ich bin eine Menge."[15]
Zum ersten Aspekt: "Ich bin mehrere"
Die Angaben zur Person auf einer Home/Page umfassen Elemente,
wie sie auch in konventionellen Lebensläufen und Selbstdarstellungen
zu finden sind: Biografisches, Berufliches, , Auflistung von Vorlieben
und Abneigungen, Beschreibung von Hobbies, Vorstellung von Freunden
und Verwandten.
Mit ihrer Übertragung in die Hypertextstruktur[16]
des WWW erfahren diese Daten zugleich eine Veränderung: sie
werden nicht definitv als "Fakten" gespeichert, sondern
bleiben "under construction", offen für weitere
Veränderungen.
Dabei geht es nicht um den Entwurf einer fiktiven Identität:
anders als in Chats und MUDs, in denen es zum "Spiel"
gehört, eine experimentelle Identität anzunehmen,[17]gilt
für die Home/Page die Regel, ein authentisches Selbstportrait
zu vermitteln.
Das Schreiben der eigenen Person als "Cyborg" wird als
eine Technologie des Selbst (Foucault) praktiziert, die auf Selbstfindung
und -erfüllung abzielt.
Die "Sorge" gilt dabei nicht mehr der Einheit und Fixierung
der eigenen Person, sondern einer Identitätspraktik, die
vielmehr Differenzen, Offenheit und Veränderung implementiert
und einen offenen Prozess der Selbstfindung initiiert. Die Home/Page
eröffnet "einen selbstbewusst konstruierten Raum",[18]
der die Vielfalt der eigenen "Cyborg"- Identität(en)
nicht als eine Bedrohung oder einen Verlust, sondern als ein Spiel
und ein Potential der Selbstentdeckung herstellt und wahrnehmbar
macht.[19]
Zum zweiten Aspekt: "Ich bin eine Menge."
Das "Home" ist darauf ausgerichtet, "Besucher"
zu empfangen und ihnen einen angenehmen "Aufenthalt"
zu bieten, so dass sie möglichst wieder kommen.
"Welcome"/"Willkommen" ist eine häufig
anzutreffende Begrüßungsfloskel auf privaten Home/Pages,
mit der zum Eintreten und Verweilen eingeladen wird.
Privatsphäre und Öffentlichkeit sind im "Cyberspace"
einander nicht bipolar zugeordnet und wechselseitig ausgegrenzt,
sondern verschränken sich zur Form der "Cyborg citizenship",[20]
an der mit der eigenen Home/Page partizipiert wird. Da sich das
"Home of the Cyborg" immer nur durch den aktuellen Datenabruf
zeitbasiert online herstellt, ist die private Selbstdarstellung
angewiesen auf ihre öffentliche Erreichbarkeit und das Feedback
eines (anonymen) Publikums.
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Andy Warhols Vision, "in the future everybody
will be famous for 15 minutes," wird mit der Home/Page gleichermaßen
zur Chance und zur Notwendigkeit.
Die Antwort auf die Frage "wer bin ich", wie sie auf
der "Home/Page" entwickelt wird, braucht die Bestätigung.
Ist es für das Spiegelbild das immer wieder erneute Begehren,
das seine Flüchtigkeit bannt, so ist es für den "Cyborg"
der Datenabruf, der ihn online (immer wieder) her-stellt und so
bestätigt. Je mehr "Besucher" eine Home/Page hat,
um so stärker ist die Bestätigung für die Cyborg-Identität.
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http://las.alfred.edu/cgi-bin/pav/fame.pl
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Besucherzähler, die sog. "counter"
sind daher vorwiegend auf privaten Homepages zu finden. Da ihre
Zuverlässigkeit umstritten ist , sind sie primär ein
Zeichen für die Bedeutung, die der quantitativen Wirkung
nach außen für die eigene Selbstdarstellung beigemessen
wird.[21]
In ihrer Ausrichtung auf ein authentisches Selbstbild, bieten
Home/Pages in der Regel keine Formen des "gender switching"
und "gender bending", wie sie in MUDS und Chats häufig
praktiziert werden. In Bezug auf die Geschlechterzuordnungen scheint
das Schreiben der Cyborg-Gestalt noch am stärksten durch
die tradierten Muster und die realen Machtpraktiken geprägt
zu sein. Jill Arnold und Hugh Miller, die seit Ende der 90er Jahre
vor allem Home/Pages von AkademikerInnen untersucht haben, stellt
sich daher die Frage "Same old gender plot?"[22]
Bei den von Arnold und Miller analysierten Websites betonen die
Home/Pages von Frauen stärker den öffentlich/kollektiven
Aspekt der Selbstdarstellung. Sie orientieren sich im Sprachstil,
mit Kommunikationsangeboten und Vernetzung zu anderen Home/Pages
an ihren BesucherInnnen. Männer hingegen nutzen die Home/Page
vorwiegend, um die eigene Person und Leistung vorzuführen.
Die subversive Kraft, die Haraway sieht der Cyborg-Gestalt zuordnet,
indem sie nicht nur die tradierten Geschlechterzuordnungen, sondern
das binäre Schema von fe/male selbst in einer "post-gender"-
Welt fragwürdig werden lässt, ist im Cyberspace virtuell
als Potential vorhanden, doch noch keineswegs umgesetzt. Mit der
eigenen Home/Page ist nurmehr der Raum eröffnet, dieses Potential
zu nutzen und durch Schreibpraktiken, die "Kommunikation
und Intelligenz neu zu kodieren, um Kommando und Kontrolle zu
untergraben."[23]
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